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Meine Schmerzen sind keine Strafe

Meine Schmerzen sind keine Strafe

Ich muss nicht an mir zweifeln, nur weil ich Schmerzen habe.

Ich bin richtig, so wie ich bin.

Wann begann sich der Gedanke in mir festzusetzen, dass ich was dafür kann, dass ich Schmerzen habe? Wann hat sich der Gedanke festgesetzt, ich müsste nur einfach brav sein, dann würden sie verschwinden? Wann hab ich begonnen zu glauben, dass es ich bin und mein Falschsein, das meine Schmerzen auslöst? Fast wie eine Strafe, die ich absitzen muss.

Was, wenn nichts dergleichen stimmt und ich einfach nur ich sein darf? Und ich verdammt nochmal sehr richtig damit bin. Weil kein Fehler die Schmerzen auslöst. Und das keine Schuld ist, die ich abzubüßen habe.

Ich muss nichts tun, um die Schmerzen loswerden zu können.

Ich darf sein, so wie ich bin.

Warum glaubt mein System, es müsste einen Marathon laufen und am Ende gibt’s eine Belohnung? Und die Belohnung ist Schmerzfreiheit. All die Jahre zeigen mir etwas anderes. Egal, was ich tue, egal, wie ich mich fühle, die Schmerzen kommen und gehen. Wie die Wellen im Meer. Und ich muss einfach mitgehen. Mich in Akzeptanz üben. Ganz tief in mir drin weiß ich, es gibt einen Weg. Ich weiß nicht, ob mich der Weg raus aus den Schmerzen führt, aber ich weiß, dass ich immer mehr bei mir sein werde. Das kann ich steuern. Ich kann gut für mich sorgen. Ich kann alles tun, um mir selbst näher zu kommen. Ich kann alles, was mich hindert, umarmen und transformieren. Auf welchem Wege auch immer. Ich kann tun, was zu tun ist. Im Jetzt. In diesem Augenblick. Und ich kann mich immer wieder neu ausrichten. Aufladen. Nähren. Fallen lassen. Weil das das ist, was Ruhe bringt. Vielleicht nicht für immer, aber für jetzt. Und jetzt ist auch irgendwie immer. Ich kann jetzt dafür sorgen, dass ich meinem inneren Frieden wieder ein Stück näher komme. Nur für jetzt. Das ist alles, was zählt. Das ist alles, was ich machen kann. Um in dieser Hölle an Schmerzen und Verstandeskampf nicht zu ersticken. Die Ruhe hilft mir, durchatmen zu können, der Frieden lässt mich mir selbst wieder näher kommen. Unabhängig von den Schmerzen. Auch im Feuer der Schmerzen. Kein Schmerz der Welt hält mich davon ab, Frieden mit mir selbst schließen zu können. Kein Feuer der Welt hält mich davon ab, bei mir anzukommen. Der Krieg in mir kann toben, ich kann toben. Und dann steht da mein Ich. Es steht über den Dingen. Ganz oft nicht. Aber manchmal dann wieder schon. Und es steht, aufgerichtet in seiner vollen Größe und mit offenem Herzen, offen für die Geschenke, die das Leben zu bieten hat, und es weiß, es kann nichts tun, um den Krieg, das Feuer, die Schmerzen zu verhindern, aber es kann ganz tief drinnen für Frieden sorgen, immer wieder aufs Neue aufräumen nach dem Sturm, die Wunden lecken, die Tränen trocknen und es kann sich erheben, wie der Phönix aus der Asche, und es kann sich selbst beweisen, dass es durch das Feuer transformiert, reingewaschen, frisch geschliffen wurde. Alles betrachtet durch den weichen, sanften Blick, lässt den Kampf bestehen, lässt ihn stehen, wo er ist. Lässt ihn sein. Wie er ist. Lässt ihn in Ruhe. Und wenn der Kampf in Ruhe gelassen wird, kann er nicht mehr so aggressiv kämpfen. Wenn die Gegenseite weicher wird, den Wind aus den Segeln nimmt, dann verlangsamt sich etwas. Dann werden die Gewehre leiser, die Bomben zurückgehalten, die Wut verebbt.

Was bleibt nach einem harten Kampf, ist Stille. Das ist eine besondere Stille. Eine Stille, die den Rauch des Feuers noch in der Nase hat. Eine Stille, die die Muskeln noch zucken spürt. Diese Stille ist besonders. Weil sie Asche in sich trägt. Asche eines Feuers, das Altes verbrannt hat und Neues noch nicht spürt. Eine Asche, die das Alte zwar noch in sich trägt, es hat jedoch schon seine Form geändert.

Eine Asche, die kein Zurück mehr erlaubt.

Eine Asche, die die Vergangenheit noch vage in Erinnerung hat, aber das Feuer hat die Zelte abgerissen. Hat die Konstrukte im Kopf bereits abgebaut.

Und so stehst du auf einem Feld. Die Geräusche des Krieges noch im Ohr und in dir schon die Stille des Friedens spürend. Du stehst dazwischen. Du hörst deinen Atem. Menschenstimmen aus der Ferne. Du stehst auf Asche, riechst die Rauchschwaden. Und du weißt, es könnte sein, dass der Krieg wieder kommt. Du weißt nicht, wann, ob und mit welcher Schlagkraft. Aber für den jetzigen Moment weißt du, du bist einfach. Und das reicht. Weil nichts von all dem deine Würde im Geringsten berührt. Weil nichts von all dem deinen Kern streift. Da ganz innen drin bist du unkaputtbar. Und genau dieser Teil in dir genießt gerade die Stille mit dir. Er steht mit dir Hand in Hand. Ihr schaut ins Abendrot und habt eine seltsame Wärme im Herzen. Eine Wärme, die die Stille umarmt. Eine Wärme, die dir zarte Zuversicht schenkt. Egal, was kommt, diese Wärme wird beim nächsten Mal wieder bei dir sein. Sie lässt dich ausatmen und vielleicht auch leicht schmunzeln.

Über die Autorin / den Autor

Josefin Duda

Josi ist Autorin und Vortragende. Nach ihrem ersten veröffentlichten Buch arbeitet sie derzeit an ihrem zweiten. Sie liebt ätherische Öle, ihren Hund und das Schreiben über die großen und kleinen Fragen des Lebens.

Gesundheit im Kontext

Menschen, Systeme, Strukturen und ihre Folgen.

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